Die Zeiten in denen Karnevalswagen ausschließlich von Amateuren gebaut wurden, sind zumindest in den Karenvals-Hochburgen mit ihrer Liveberichterstattung im Fernsehen schon lange vorbei. Gerade bei den Karnevalsumzügen, die auch live im Fernsehen übertragen werden, werden die meisten Wagen von Karnevalswagenbau-Künstlern erschaffen. Ein solcher Karnevalswagenbau-Künstler ist Jacques Tilly. Tilly und seine Wagen sorgen bereits seit den 1990er Jahren immer wieder für Schlagzeilen. So auch 2017, als beim Rosenmontagszug in Düsseldorf ein Wagen zu sehen war, auf dem der neue US-Präsident Donald Trump mit verzerrtem Gesicht und hochrotem Kopf die vor ihm knieende Freiheitsstatue von hinten missbraucht.

Herkunft und Werdegang Jacques Tilly

Jacques Tilly wurde am 27. Juni 1963 in Düsseldorf geboren. Von 1973 bis 1982 besuchte Jacques Tilly das Comenius-Gymnasium in Düsseldorf. 1984 beginnt er politisch-satirische Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug zu entwerfen und zu bauen. Zwischen 1984 und 1994 studiert Jacques Tilly dann an der Universität Essen Kommunikationsdesign.
Heute ist Jacques Tilly Deutschland bekanntester Karnevalswagen-Künstler. Zudem ist er Mitglied des Kuratoriums der evolutionär-humanistischen Giordano Bruno Stiftung (Giordano Bruno Stiftung (gbs), gemeinnützige Stiftung, Zweck ist die Förderung des evolutionären Humanismus, besteht seit 2004, Sitz der Stiftung ist in Oberwesen). Giordano Bruno Stiftung.
Jacques Tilly hat zwei Kinder und lebt mit seiner Frau, der Filmemacherin Ricarda Herz in Düsseldorf-Oberkassel in einer Groß-WG.

Karnevalswagen von Jacques Tilly

Jacques Tilly hat eine Werkstatt für den Bau von Karnevalswagen. Gemein ist den Wagen aus seiner Werkstatt die besondere bissig-satirische Art der Motive. Immer werden auch aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen thematisiert. Eben diese Karnevalswagen sind es auch, die alljährliche beim Düsseldorfer Rosenmontagszug nicht nur bundesweit, sondern auch internationale für Aufmerksamkeit und Berichterstattung in den Medien sorgen. So gab es schon einige äußerst umstrittene Motivwagen, die auch lautstarke Proteste hervorgerufen haben.

Erste Motivwagen in den 1990er Jahren

Einer der ersten solchen Motivwagen war der aus dem Jahr 1994. Zu sehen war der nackte Kanzler Kohl. Allerdings drohte ein Bonner CDU-Anwalt mit einer einstweiligen Verfügung, so dass die Figur umgebaut wurde. Bundesweite Proteste stoppten im Jahr 1996 dann den Weiterbau eines politischen Wagens, eines Kruzifixwagens, der die Reaktion bayerischer Politiker auf ein Bundesverfassungsgerichtsurteil aufs Korn nahm. Allerdings stören sich danach einige der zuvor protestierende, dass der Wagen eben doch, wenn auch verhüllt, am Karnevalsumzug teilgenommen hatte. Andere fühlen sich an das Mittelalter erinnert. Beim Kruzifix-Beschluss von 1995 wurden Teile der Bayerischen Volksschulordnung von 1983 für verfassungswidrig erklärt. Dieses sah vor, dass in jedem Klassenzimmer der Volksschulen Bayern ein Kruzifix oder zumindest ein Kreuz anzubringen sei.
Eher lustiger war ein Motivwagen aus dem Jahr 1997 zum Stichwort Busenkrieg. Während der Kölner Dachverband der Karnevalisten wohl ein Busenverbot ausspricht, hat man in Düsseldorf nichts Besseres zu tun, als eben dieses Busenverbot im Karneval zu verspotten. Danach soll es zu einem Busenkrieg zwischen Köln und Düsseldorf gekommen sein.

Motivwagen aus der Karnevalswagen-Werkstatt Jacques Tilly letzte Jahre

Karneval 2017: Ein US-Präsident namens Donald Trump missbraucht mit verzerrtem Gesicht und hochrotem Kopf die Freiheitsstatue. Diese ist auch deutlich als Liberty gekennzeichnet, damit auch keine Zweifel aufkommen, dass die Freiheit gemeint ist.
2016: Beim Rosenmontagszug 2016 in Düsseldorf gibt es ein Jarosław-Kaczyński-Wagen (polnischer konservativer Politiker). Auf diesem war Kaczynski in Militäruniform zu sehen. Vor ihm eine nieder knieende Polin, auf deren Kopf sein Fuß. Neben ihm steht dabei ein Radio mit der Beschriftung Radio Maryja (Radio Maryja ist ein nationalkonservativer katholisch geprägter Radiosender in Polen). Diesem Wagen dürfte es Tilly wohl auch zu verdanken haben, dass er neben seinem deutschen Wikipedia-Eintrag auch einen in polnischer Sprache hat (Jacques Tilly in der polnischen Wikipedia).
2015: Charlie-Hebdo-Wagen. Beim Düsseldorfer Karneval gibt es gleich vier Wagen von Jacques Tilly, die den islamistischen Terror zum Thema haben. Darunter auch ein Charlie-Hebdo-Wagen. Die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo war im Januar 2015, also kurz vor Karneval, Ziel eines islamistisch motivierten Terroranschlages gewesen. Dabei wurden zwölf Menschen erschossen.

Jacques Tilly in der Karnevalsfreien Zeit

In der karnevalsfreien Zeit entwirft das Team um Jacques Tilly Plastiken. Webseite Jacques Tilly Team.